Mich faszinierte ja schon immer, wie man mit einer Aneinanderreihung von Zeichen seine Gefühle und Gedanken ausdrücken kann. Weil in den Zeichen steckt ja eigentlich gar nichts drin. Der Text ist nur eine Bauanleitung für den Leser, wie er bereits bekannte Gefühle und Konzepte neu zusammensetzen kann. Der Schreiber ist der Regisseur eines Assoziationsspektakels, das im Kopf des Lesers stattfindet.
Je vager sich dabei der Schreiber ausdrückt, desto mehr muss der Leser mit Details aus seinen eigenen Assoziationen ergänzen. Das ist übrigens auch meine Erklärung dafür, warum sich viele esoterische Menschen so prächtig unterhalten und sich goldig zu verstehen scheinen. Wenn Sätze zu "Energie" und zur "Seele" nur ausreichend vage gehalten werden, dann ist eine konkrete Aussage nur schwer auszumachen und der grosse Interpretationsspielraum bewahrt vor Konflikten.
Aber ich drifte vom Thema ab. Was für mich den Reiz am Schreiben ausmacht, ist die MACHT, die man über die Fantasie des Lesers hat. Ich kann dich mit sagenhaften Geschichten über liebliche Meerjungfrauen und scheussliche Seeungeheuer locken, mit im Sturm ächzenden Schiffen auf fremden Meeren, mit geheimnissvollen Liebesgeschichten und blutroten Sonnenuntergängen - und dich dann nach Belieben enttäuschen. Indem ich zum Beispiel einfach aufhöre.

1 Comments:
Erinnert mich an meinen allerersten Kafka, ich war elf und unwissend und man versäumte mir mitzuteilen, dass Amerika bloss ein Romanfragment ist. Oder ich habe nicht ganz gecheckt, was das bedeutet. Jedenfalls war die Enttäuschung gross am Ende des Buches. Ja, die Macht ist gross, wenn sich ein Leser wirklich in deine Welt findet. Damit spielen ja auch alle Serien, Harry Potter u.ä. Und natürlich Veronica Mars. Schrecklich, fürchterlich, nicht zu wissen, wer jetzt da vor der Tür stand! Und die nächste Staffel nicht in absehbarer Nähe...
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